Die Finanzmarktkrise – Antworten von Prof. Dr. Bernd Rolfes
Warum waren so viele Institute scheinbar schlecht auf die Krise vorbereitet?
Viele Finanzdienstleister haben einfach nicht mit solch enormen Verwerfungen an den Märkten gerechnet. Dazu kam, dass zum Teil Geschäfte getätigt wurden, deren Risikostruktur hochkomplex und somit kaum nachvollziehbar war – auch für die Unternehmen selbst. Eine wesentliche Risikoart, die bis dahin vernachlässigt wurde, hatte in dieser Krise darüber hinaus entscheidende Auswirkungen: das Liquiditätsrisiko.
Müssen die Banken ihr Geschäftsmodell grundlegend überdenken?
Angesichts der Heftigkeit der Verluste, die viele Kreditinstitute hinnehmen mussten, stellt sich diese Frage in der Tat. Viele müssen jetzt, egal wie schmerzhaft das sein mag, ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen. Einige Banken haben vielleicht nur auf bestimmten Gebieten Handlungsbedarf. Aber auch hier sollte die Zeit für eine vorbehaltslose Bestandsaufnahme genutzt werden, da mit der kommenden Rezession das Marktumfeld nochmals anspruchsvoller wird. Darüber hinaus sehe ich gerade in Banksteuerung und Risikomanagement großen Handlungsbedarf, damit die Lehren aus dieser Krise bei zukünftigen Geschäftsentscheidungen adäquat miteinbezogen werden.
Birgt eine solche Neuordnung des Marktes nicht auch Chancen?
Sicher. Der Markt wurde durch die Krise erheblich durcheinander gewirbelt. Einige zu risikofreudige Konkurrenten haben deutlich an Marktmacht verloren oder scheiden gar gänzlich aus. Dies bietet die Chance, verkrustete Marktstrukturen aufzubrechen. Krisen bieten zudem die Möglichkeit, ein Kreditinstitut und seine strategischen Geschäftsfelder ganz neu zu ordnen, ohne sich sofort überzogenen Zeit- oder Renditevorstellungen der Märkte gegenüberzusehen. Wer rechtzeitig und zielgerichtet handelt, kann also auch als Gewinner aus der Krise hervorgehen.