Ursachen


Die Finanzmarktkrise ist zurzeit das alles beherrschende Thema in Wirtschaft und Politik. Viele Kreditinstitute und Versicherer stehen vor großen, noch nie da gewesenen Herausforderungen und haben in ihren Häusern auf absehbare Zeit intensiv mit der Verarbeitung der weltweiten Krise und ihren Folgen zu kämpfen. Die Ursachen der Krise waren vielfältig und wirkten gerade im Zusammenspiel fatal. Im Zeitablauf können drei Phasen identifiziert werden, die jeweils durch eine weitere Steigerung der Verwerfungen und Krisensymptome gekennzeichnet waren beziehungsweise sind. zeb/ gibt einen Überblick.


Phase 1: Subprime-Krise


Die US-Immobilienblase basierte zu großen Teilen auf der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank zu Beginn dieses Jahrzehnts. Aufgrund einer offensiven Geldvergabe kam sehr viel Liquidität an die Märkte. Kunden niedriger Bonität (Subprime-Segment) erhielten günstige Kredite, welche von den Banken verbrieft und mit - wie man heute weiß - überhöhten Beurteilungen von Ratingagenturen an Institute in aller Welt weiterverkauft wurden. Hohen Erträgen stand bei diesen Produkten ein scheinbar niedriges Risiko gegenüber. Diese Renditeaussicht wirkte bei auf kurzfristiges Gewinnstreben ausgelegten Anreizsystemen allzu verlockend. Prozyklische Bilanzierungsregeln und ein überzogenes Leveraging wiesen die stark engagierten Kreditinstitute als „Best Practice“ aus. Das Risikomanagement trat in den Hintergrund. Eine Blase hatte sich gebildet. Als dann die Immobilienpreise fielen und die Subprime-Schuldner aufgrund steigender Zinsen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, platzte die Blase. Über die Verkettung der Verbriefungen wurde dann aus einer lokalen Immobilienkrise eine globale Kreditkrise.


Phase 2: Finanzmarktkrise


Die gestiegenen Ausfälle im Subprime-Segment führten bei Verbriefungspapieren in großer Zahl zu Ratingabstufungen. Investoren zogen sich daraufhin massiv aus diesem Markt zurück. Durch die unüberschaubaren Verbriefungsketten und die komplexen Produkte bestand keine Transparenz darüber, welche Risiken eine Position beinhaltete bzw. wer für die Ausfälle von Krediten am Ende geradestehen musste. Die Folge war mangelndes Vertrauen der Banken untereinander. Obwohl die Notenbanken weltweit den Markt mit Liquidität fluteten, gerieten einige Institute in Zahlungsschwierigkeiten. Die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers führte zu einer verschärften Kettenreaktion an den Märkten. Weitere Produktarten wurden nun von der Krise angesteckt. So verloren beispielsweise Bank-Anleihen oder Credit Default Swaps aufgrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit einiger Institute massiv an Wert. Das Vertrauen unter den Banken war komplett verschwunden. Erst milliardenschwere staatliche Rettungspakete restabilisierten allmählich den Markt.


Phase 3: Realwirtschaftlicher Abschwung


Obwohl eine konjunkturelle Abschwächung bereits vor der Finanzmarktkrise spürbar war, wird die Rezessionsgefahr aufgrund der Probleme im Finanzsektor massiv verstärkt. Eine restriktive Kreditvergabe seitens der Banken macht die Refinanzierung für Unternehmen schwieriger und teurer. Der Handlungsspielraum der Regierungen ist wegen der staatlichen Rettungspakete für die Banken eingeschränkt. Nach und nach beherrschen in allen großen Industrienationen Schlagzeilen vom Rückgang der Wirtschaftsleistung die Presse. Die Finanzmarktkrise ist nun endgültig zur Weltwirtschaftskrise geworden.


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Dr. Stefan Trost

Dr. Stefan Trost
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